Im Zug der ganzen Steuerdiskussion 2018 hat sich Leser Jörg die Mühe gemacht und zwei Familien verglichen.
- Familie 1 investiert in P2P-Kredite, High-Yield-ETFs und ausschüttungssarke Aktien. Das Depot wirft im Jahr 4% Ausschüttungen ab.
- Familie 2 hat nur ein Welt-Depot (World plus Schwellenländer). Diese Indizes werfen traditionell nicht so viel ab. Die jährliche Ausschüttungsrendite liegt bei rund 2%.
Jörg hat sich gefragt: Wie wirkt sich diese Differenz von 2% über ein ganzes Anlegerleben (Sparbeginn mit 25 Jahren, Tod mit 85 Jahren) aus? Beträgt das Delta nach 60 Jahren 1.000 €, 10.000 € oder 100.000 €?
Bevor wir Jörg bei seinem Nachforschungen über die Schulter schauen - wer ist Jörg? Hier seine Antwort auf meine Frage: Wer bist Du?
"Jörg ist begeistert über die Mission des Wesirs, das einfache und kostengünstige Investieren mittels Geldbildung zu fördern und kommentiert hier fröhlich mit.
In typisch deutscher Erbsenzählermanier versucht er auch Steuern mit Thesaurierern in die Zukunft zu verschieben. Ob ihm das gelingt?"
Jörgs Berechnungen
Familie 1 | Familie 2 | |
---|---|---|
Gezahlte Abgeltungssteuer | 49.702 € | 7.491 € |
Restvermögen | 113.327 € | 262.871 € |
Mit anderen Worten: Die (frühzeitig) bezahlte Abgeltungssteuer sowie der entgangene Zinseszins auf diese macht im Modell eine Differenz von rund 150.000 Euro im Laufe des Anlegerlebens aus. Hier die ganze Excel-Tabelle mit der Modellrechnung
Was ist mit Singles?
Die betrifft es in der Regel früher, weil deren Freibetrag von 801 Euro schon in jüngeren Jahren ausgeschöpft wird. Deshalb zahlen Sie schon früher Abgeltungssteuer. Der Zinseszins wirkt noch länger.
Was ist mit der Steuerreform 2018?
- Es gibt einen höheren Freibetrag (Teilfreistellung von 30% für Dividenden) der alles um circa zwei bis vier Jahre nach hinten schiebt (nicht bei zinsähnlichen Einkünften).
- Es muß eine Vorabpauschale für thesaurierende Fonds gezahlt werden. Falls die Zinsen noch sehr lange niedrig bleiben, wird auch die Vorabpauschale kaum mehr als 0,1 bis 0,2% betragen. Das bedeutet: Wenn Sie thesaurierende Aktien-ETFs im Wert von 100.000 Euro besitzen, zahlen Sie zwischen einhundert und zweihundert Euro an Vorabpauschale. Das sind "Peanuts".
Auch 2018 gilt: Die Abgeltungssteuer ist Dein Feind. Minimiere und verschiebe sie so lange es geht!
Was tun?
- Sparen in ausschüttende ETFs bis zur Ausschöpfung des Sparerfreibetrags. Dann umswitchen in thesaurierende ETFs!
- Ausschüttungsstarke Depots vermeiden, denn die Abgeltungssteuer wirkt sich dramatisch auf den Zinseszins aus.
- Den aktuellen Sparerfreibetrag stets ausnutzen. Auch in der Entsparphase nicht auf Null fallen lassen, sondern bei 1.602 € beziehungsweise 801 € ausnivellieren.
- Alle paar Jahre in einen neuen thesaurierenden World-ETF von einem anderem Anbieter weitersparen, um eine Kursgewinn-Leiter für den Ruhestand aufzubauen.
Dann zuerst die ETFs mit wenig Kursgewinn (die jüngeren) entsparen und die mit viel Kursgewinn (die älteren) erst später auflösen.
Hier beim Portfolio-Manager beschrieben.
So kann der Anteil an bezahlter Abgeltungssteuer minimiert und maximal in die Zukunft verschoben werden.
Zu beachten
- Werden weitere Einzahlungem in den fetten Jahren (47-65) berücksichtigt oder früher mehr gespart wird der Effekt noch drastischer.
- Bei Ausschüttungs-Fokussierten wird’s ab 85+ langsam mau. Deshalb brauchen die auch größere Depots :-)
- Eine Modell-Rechnung ist eine Modell-Rechnung und nicht die Realität.
Wer kann profitieren?
Das hier geschriebene gilt für Personen mit regelmässigen Einkünften und das Langfristthema Altersvorsorge. Für Zeit-Ziel-Sparen wie Hauskauf ist diese Vorgehensweise nicht geeignet.
Ebenfalls wenig profitieren werden Kleinunternehmer, Privatiers und alle Anderen, die beständig einen persönlichen Steuersatz unter der 25%igen Abgeltungssteuer haben oder haben werden.